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LAND & LEUTE


Zu einem tollen Reiseerlebnis zählt auch die Gastfreundschaft der Bewohner und Einheimischen. Wird man willkommen und freundlich begrüsst, steigt in der Regel auch die Begeisterung am Land selbst. Mein Grundfazit meiner Azoren-Tour in einem Satz deshalb gleich vorweg: Die Menschen sind unglaublich hilfsbereit, offen und gastfreundlich!

Auch wenn ich mit meiner Montur - ganzes Hab und Gut inkl. Solarpanel auf dem Rücken - bestimmt etwas sonderbar daher kam, haben sich die Leute stets neugierig umgedreht und freundlich angesprochen. Wo wird schon freiwillig mit dem Auto angehalten, wenn jemand nicht den Daumen oder ein Schild mit der nächsten Ortschaft in die Luft hält, geschweige denn dann? Auf den Azoren ist dies in der Tat der Fall. Ob beim Bauer, dem älteren Herren aus dem nächsten Dorf oder auch bei der jüngeren Generation, immer wieder musste ich eine anhaltende Mitfahrgelegenheit dankend ablehnen. Auch von Taxifahrern wurden mir - oft wohl aus Mitleid, eine Frau alleine so beladen am Wegesrand, schweissgebadet bei prallem Sonnenschein oder Regen - immer wieder kostenlose Fahrten angeboten. Das Erklären meiner „Trekkingidee“ wurde zum Teil ziemlich anstrengend, da ich oft auf Unverständnis gestossen bin. „You‘re a crazy Girl“, hiess es immer wieder. Wieso laufen, wenn du umsonst fahren kannst? Für alle Tramper unter euch; gegebenenfalls du suchst ein nächstes Feriendomizil zum Trampen, die Azoren sind perfekt geeignet und du wirst bestimmt nicht lange am Wegesrand warten müssen!


Gastfreundschaft - Ein Hostel für mich alleine


Wo öffnen sie für eine klitschnasse, schwitzende Trekkerin extra ein ganzes Hostel, weil sie aufgrund eines Unwetters nicht weitergehen kann? In der Tat ist mir das auf São Jorge widerfahren. Begonnen hat das nasse Abenteuer auf einem Bergrücken im Landesinnern. Nach 4 Stunden beim heftigsten Unwetter hält leider jede noch so tolle Regenausrüstung nicht mehr, was sie verspricht. Wetterbesserung war nicht in Sicht, daher musste ich kurzerhand meine Route ändern und ins nächst gelegene Dorf zur Küste laufen. Dort angekommen, wurde mir schwerst davon abgeraten, die Meerroute weiterzugehen. Also suchte ich Schutz im einzigen Restaurant. Obwohl die Restaurantküche bereits geschlossen war, zauberte mir die Köchin einen leckeren 3-Gänger auf den Tisch. Und anschliessend verhalfen mir drei herzliche Bewohner des kleinen Dörfchens, dass eine noch herzlichere Dame ihr eigenes Hostel, welches eigentlich geschlossen war, aufgrund einer ankommenden Reisegruppe am nächsten Tag, öffnete und mir komplett alleine überliess. Einfach nur top! Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle nochmals ans Hostel

"Marficas Lda" in Urzelina.


Leben auf den Inseln


Die Inselbevölkerung lebt nach wie vor sehr traditionell und oft auch einfach. Die Häuser bestehen meist aus Steinen und auf jeder Insel findet man einen anderen Stil vor. Zum Teil bunt bemalen, gekachelt, mit Farbe umrahmt oder mit Muscheln verziert, die vielen verschiednen Häuschen sind immer wieder einen längeren Stopp und Blick Wert.

Die meisten Bewohner sind katholisch und zeigen dies auch gerne vor jeder Kirche - beim Vorbeifahren auf dem Mofa, im Auto oder auch zu Fuss - ein kurzes Stossgebet gegen den Himmel gerichtet darf nicht fehlen. In jedem noch so kleinen Dorf findet man mindestens eine, wennn nicht sogar mehrere Kirchen vor. Von verschiedenen Einheimischen wurde mir erklärt, dass deshalb bei ihnen Kriminalität ein Fremdwort sei. Ob dies der Grund ist oder weil jeder jeden kennt, lässt sich wohl kaum beantworten, die Polizei scheint dort jedenfalls ziemlich unterbeschäftigt zu sein.

Grossstädte sucht man auf den Azoren vergebens. Selbst die Hauptstadt, Ponta Delgada auf der Insel Sao Miguel, ähnelt eher einer gemütlichen Kleinstadt. Das Leben auf den Azoren scheint dem Rhythmus der Natur angepasst zu sein. Alles geht etwas langsamer und ruhiger vor sich. Die Menschen scheinen den Begriff Stress nur aus Erzählungen zu kennen und wirken äusserst relaxt.

Die Azorer leben vorwiegend von der Landwirtschaft, dem Weinbau, Fischfang, den unzähligen Kühen und immer mehr auch vom Tourismus. Am meisten Begegnungen hatte ich mit den Bauern. Mit ihren Picups, den Wassertanks sowie dem bellenden Hund auf der Ladefläche, sind sie auf den Feldern unterwegs. Sie versorgen auf diesem Weg die Kühe auf den Weiden mit Wasser und halten auch gerne einmal für einen Schwatz.


Tierwelt - Inseln der Kühe


Apropos Kühe: Ich dachte immer, die Schweiz sei das Land der Kühe, nun wurde ich eines anderen belehrt. Am meisten animalische Begegnungen hatte ich mit Kühen, es gibt unzählige davon. Angeblich erhalten die Bauern Subventionen bei Kuhhaltung, ein Mitgrund für die Bestandszunahme in den letzten Jahren, so heisst es. Oft sind sie nur spärlich eingezäunt und versperren immer mal wieder die Strassen und Wege. Für so manch einen Touristen ein lustiges Spektakel. Die Hunde hingegen sind weniger zum Lachen, als vielmehr zum Fürchten. Meine grösste Angst beim Trekken auf den Azoren galt nicht den steilen Wegen oder Wetterkapriolen, sondern den Hunden. Sie werden in der Regel als Wachhunde, den ganzen Tag an Ketten festgebunden, gehalten. Daher sind sie oft sehr aggressiv, springen ungeahnt hinter einer Ecke hervor und würden wohl von einem Angriff nicht abhalten. Dafür bleibt man auf den Azoren von Begegnungen mit giftigen Tiere verschont. Auch die Stechmücken halten sich vornehmlich zurück und soweit mir bekannt ist, lassen einen die Zecken ebenfalls in Frieden. Oft habe ich über wilde Hunde gelesen. Gesehen habe ich nur wenige. Diese waren in der Regel ängstlich oder trotteten gemütlich vor sich hin. Streunenden Katzen, Kaninchen und Geissen hingegen begegnete ich so einigen.

Wer gerne Vögel beobachtet kommt ganz auf seine Kosten. Viele verschiede Arten begleiten einen stets singend während dem Gehen oder am Abend bei der Dämmerung. Ein spezieller Moment, denn kaum geht die Sonne, kommen die Cagarros. Tief, knapp über den Köpfen vorbei fliegend, erscheinen die grossen, unüberhörbaren, laut schreienden Gelbschnabel-Sturmtaucher in Scharen aus dem Nichts und lassen so manch Neuankömmling ins Staunen versetzen. Auf den Azoren wird die weltweit grösste Population dieser Vogelart verzeichnet.


Portugiesisch - Englisch


Die wichtigsten Wörter auf portugiesisch habe ich mir im Vorhinein versucht einzuprägen. Eine nicht leicht zu lernende Sprache, besonders dann nicht, wenn man anschliessend die Wörter ausgesprochen kaum versteht, weil ein Grossteil der Buchstaben nicht ausgesprochen oder verschluckt werden. Dazu kommen noch die verschiedenen Dialekte, was das Ganze auch nicht einfacher macht. Nichts desto trotz gab ich mein Bestes und versuchte mich gleich nach der Ankunft in einem Restaurant. Die Antwort kam nicht auf portugiesisch, sondern auf englisch. Dies war kein Einzelfall, die Azorer sprechen oft gutes Englisch und scheinen dies auch gerne zu zeigen. Mir wurde erklärt, dass viele Einwohner der letzten Generation nach Kanada oder in die USA ausgewandert waren. Ihre Nachkommen oder auch sie selber kehren häufig nach einiger Zeit wieder zurück. Auch in der Schule wird Englisch mittlerweile grossgeschrieben, daher ist es auf den Azoren weit verbreitet. Sofern jemand kein Englisch spricht, sind sie sehr geduldig und helfen einem auf portugiesisch auf die Sprünge. Viele Portugiesen verstehen und sprechen auch Spanisch oder Italienisch und leiten vom Portugiesischen ab. Mit Händen und Füssen geht's ja eigentlich letztendlich immer.


Essen und Restaurants


Eine rote „Ola-Fahne“ sowie die dazu gehörenden roten Superbock oder Sagres Plastikstühle und Tische zieren praktisch jeden Restaurant- oder Café-Vorplatz und sind deshalb kaum zu übersehen.

In den kleineren Ortschaften bieten sie in einfachen Restaurants oder Cafés oft ein bis zwei verschiedene Gerichte an - nach dem Motto "es gibt was es gibt". Auf São Miguel, der Hauptinsel, ist die Auswahl natürlich grösser. Für Vegetarier wird es etwas schwieriger, denn die Hauptspeise, abgesehen von Reis und Pommes - diese beiden Beilagen werden oft zusammen serviert - besteht oft aus Fleisch oder Fisch. Ein typisch portugiesischer Fisch ist der Bacalhau. Ob grilliert, gekocht oder als Pastete serviert, er ist in vielen Gerichten ein wichtiger Bestandteil.


Eintopf aus dem Vulkan - Cozido

Cozido, ein Eintopf welcher in einem vulkanischer Erdloch gekocht wird, ist wohl die bekannteste Azoren-Spezialität. Inmitten der heissen Quellen am Lago do Fogo bei Furnas auf São Miguel, werden von den Restaurants der Umgebung früh morgens die Töpfe vergraben. Sie sind randvoll gefüllt mit Chorizo, Rind- und Schweinefleisch, Blutwurst, Kohl, Kartoffeln und diversen anderen Gemüsesorten. Rund sechs Stunden brodeln die Zutaten in der Hitze des vulkanischen Bodens. Das Ausgraben der Töpfe am Mittag ist ein grosses Spektakel, das von Einheimischen und Touristen gefeiert wird.



Einkaufen


Was das Shopping angeht, haben die Azoren, abgesehen von São Miguel, nicht sehr viel zu bieten. Kleinere Supermärkte mit einem beschränkten Angebot findet man jedoch auch in den meisten kleinen Ortschaften. Mit Kleiderläden wird es hingegen schwierig. Kurze, leichte Damenshorts sowie FlipFlops suchte ich 3 Wochen vergebens. Auf São Miguel in Ponta Delgada, meiner letzten Insel sowie dem letzten Tag, wurde ich dann schliesslich fündig - leider etwas zu spät.


Typisch português


Pflastersteine - Ladrilhos

Die typisch portugiesischen Pflastersteinwege, welche man aus Lissabon oder Porto kennen mag, lassen sich auch auf allen Azoren-Inseln finden. Die Ladrilhos, wie sie genannt werden, tanzen nur auf der Insel Faial etwas aus der Reihe. Hier sind die Mosaikmuster wie Segelboote, Anker oder Fische, aus weissen und die Hintergründe und Füllflächen aus schwarzen Steinen belegt.


Fliesenbilder - Azulejos

Portugal ist das Land Europas, in dem es bei Weitem die meiste Fliesenwände gibt. Ob in Kirchen, an normalen Hausfassaden oder als Strassenbezeichnungen, die Azulejos sind auch auf den Azoren überall zu finden.


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