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VERHALTEN BEI GEWITTER

Aktualisiert: 16. Aug. 2018



Der Frühling beginnt und mit sich auch die Grillsaison. Wer kennt es nicht - kaum nehmen die ersten Würste Farbe an, fängt es von oben an zu grollen und donnern. In der Zivilisation oder im Garten, abgesehen von der nasswerdenden Grillade, kein grosses Problem. Nicht jedoch beim Trekking in der freien Natur. Wird man draussen, ohne Unterschlupf-Möglichkeit oder auch im Zelt, von einem Gewitter überrascht, kann es unter Umständen ziemlich gefährlich werden.


Die Angst vor Blitz und Donner sitzt bei manchen regelrecht tief und kann im schlimmsten Fall zu einer blöden Blockade oder einem Panikanfall führen. Das Wichtigste ist Ruhe bewahren! Es hilft bereits, nur zu wissen was zu tun ist und gut informiert sein, um die Angst im Zaum zu halten oder erst gar nicht aufkommen zu lassen. Mit einer klaren Vorgehens- und Verhaltensweise kannst du das nächste Gewitter vielleicht sogar geniessen, denn eigentlich ist es ein wunderschönes Spektakel für alle Sinne.


Grundsätzlich gilt, vor jeder Tour den Wetterbericht prüfen. Doch was, wenn man trotz sorgfältiger Planung in ein Gewitter gerät und weit und breit keine Hütte, keine Höhle, kein Unterschlupf vorhanden ist?



Gewitterdistanz abschätzen


Um grob abzuschätzen, wie weit das Gewitter von dir entfernt ist, kannst du folgende Berechnungshilfe, die 3-Sekunden-Faustformel anwenden:

  • Zähle die Sekunden, die zwischen dem Blitzeinschlag und dem Donner zu hören sind.

  • Diese Zahl teilst du durch drei. Nun weisst du grob, wie viele Kilometer das Gewitter entfernt ist (z.B. 15 Sekunden gezählt / 3 = 5 km Entfernung).

Diese Berechnung machst du alle paar Minuten erneut, so erfährst du, ob das Gewitter näher kommt oder abzieht.

Ab 20-30 km Entfernung bist du grundsätzlich auf der sicheren Seite, sofern es sich nicht mehr nähert. Bleibt der Donner nach dem Blitzen aus, ist es ein sicheres Zeichen für eine (noch) weite, ungefährliche Entfernung des Gewitters.



Richtige Platzwahl des Zeltaufbaus


Der beste Sicherheitsfaktor besteht in der Platzwahl des Zeltaufbaus. Denn nicht das Zelt bietet Schutz vor einem Blitzeinschlag, sondern der richtige Standort. Der Aufenthalt in einem Zelt ist bei Gewitter prinzipiell genauso gefährlich wie der Aufenthalt im Freien. Nicht nur der direkte Blitzeinschlag, sondern auch Erdströme (Leitung eines Blitzes, welcher in der Nähe einschlägt), starker Regen, aufkommende Kälte und Windböen können gefährlich werden. Daher am besten schon vor dem Aufbau folgende Punkte beachten:



Im Freien oder im Zelt gilt:


Besonders gefährdete Orte meiden

  • Gipfel, Grate, Anhöhen oder Hochebenen, leere Flachebnen meiden (selber sollte man nie der höchste Punkt sein), beim Zeltaufbau sowie Unterwegs darauf achten

  • Nicht unter einzelne Bäume oder bei Wasserläufen, trockenen Flussbetten (Überflutungsgefahr bei Starkregen) stehen. Es gilt: Viele Bäume sind besser als einzelne (jedoch Vorsicht von herabfallenden Ästen). In Wäldern, mit Abstand zu den einzelnen Bäumen, ist man relativ sicher

  • Ein Erdstrom, welcher sich in der Umgebung eines Blitzeinschalges entlang der Erdoberfläche ausbreitet, ist ebenso gefährlich wie ein direkter Blitzeinschlag, deshalb mindestens 2 m Abstand zu anderen Objekten oder auch anderen Zelten, Felswänden etc. halten

Vorbereitung im Zelt oder Freien

  • Heringe gut befestigen, ev. mit Zusatzleinen nochmals besser abspannen

  • Zeltwände freihalten, damit das Zelt wasserdicht bleibt und nicht leitet

  • Elektronische Geräte abschalten

  • Alle metallischen Gegenstände ausserhalb des Zelts - allenfalls in einem wasserdichten Packsack - deponieren (Metall leitet) oder im Freien mindesten mit 2 m Abstand von sich weglegen

Verhalten im Zelt oder Freien

  • Im Zelt oder auch im Freien mit geschlossenen Füssen in die Hocke gehen. Die Wanderschuhe anlassen. Möglichst auf einer isolierenden, trockenen Unterlage (z.B. doppelt gefalteten Isomatte oder Rucksack) in Kauerstellung stehen. Je punktförmiger du den Boden berührst, desto geringer ist die Schrittspannung

  • Möglichst grossen Abstand vom Gestänge und den Zeltwänden halten

  • Falls das Zelt nicht wasserdicht ist oder Wasser hereinlaufen sollte, komm nicht mit dem Wasser in Berührung (Wasser leitet). Roll die Isomatte zusammen, Rucksack drauf und bau eine Insel daraus, auf der du erhöht in die Hocke gehen kannst

  • Im Freien gilt zudem: mindestens 2 m Abstand halten von Gegensänden oder z.B. Felswänden etc. (Erdströme können auf einen benachbarten Gegenstand überspringen)


Wenn du diese Regeln beachtest, kannst du dem nächsten Gewitter bestimmt etwas gelassener und ohne Angst, lediglich mit einer gesunden Portion Vorsicht entgegen sehen. Die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden, ist doch relativ klein. Bau dein Zelt an einem sinnvollen Ort auf, bereite dich dementsprechend vor, bewahre Ruhe und wie bereits erwähnt, man kann es auch geniessen lernen.


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